Dass Google zum Geldverdienen im Internet bei vielen Webmastern die erste Wahl ist, scheint in Anbetracht der Reichweite der Adsense-Banner auf der Hand zu liegen. Ob es immer die effektivste Wahl ist, bleibt dahingestellt. Denn inzwischen haben die Kunden ihre Blicke für die teilweise aufdringlich platzierten Plätze geschärft und reagieren nicht mehr auf platte Banner. 62 Prozent der Deutschen stufen Online-Reklame als lästig ein, nur 7 Prozent finden Skyscraper, Rectangle und Co „überzeugend“. Ein schlechtes Zeugnis für die Ads. Gleichzeitig nimmt der Gebrauch von Adblockern im Internet zu, da ob der niedrigen Klickraten Webmaster die Banner immer prominente und aufdringlicher platzieren.

Auch Google bleibt von dem Trend nicht unberührt, ist Adsense doch eines der Standbeine des Giganten. Daher machen die Kalifornier jetzt mit einem neuen Service von sich Reden – Contributor.

 

DER KOSTENPFLICHTIGE ADBLOCKER

Der Google Contributor startet zunächst nur als Experiment in den USA. Wenige Seiten, wie etwa die Satire-Bude TheOnion oder der Internet-Blog Mashable nehmen an den ersten Tests teil. Contributor soll eine Balance aus dem Drang der Nutzer nach Werbefreiheit und dem Streben der Webseiteninhaber nach mehr Entlohnung für ihre Arbeit sein. Denn über den Service zahlt ein User dafür, dass die Adsense-Banner auf seinen Lieblingsseiten ausgeblendet werden. Stattdessen nimmt ein dezenter Dankeshinweis den Platz ein.

Das Ganze nimmt einige Anleihen vom mehr oder weniger populären Dienst Flattr. Nutzer zahlen 1-3 Dollar im Monat und erhalten dafür werbefreie Seiten. Das Geld geht dann nur an Internetauftritte, die auch wirklich besucht werden. Je nach Häufigkeit der Aufrufe wird über einen Schlüssel die Höhe des Anteils bestimmt. Auf diese Weise kommt der Inhaber trotz fehlender Bannerausgaben auf seine Kosten und auch Google greift sich den ein oder anderen Groschen ab.

WEITERHIN AKTIVES NUTZER TRACKING

Ob Google mit seinem Contributor Erfolg haben wird, muss sich erst noch beweisen. Gerade im Vergleich zum Adblocker scheint für Nutzer der Mehrwert nur marginal. Ob das Gefühl, den Webseitenbetreiber finanziell und fair zu unterstützen, als Grund für den Entscheid pro Contributor reicht, wird sich zeigen. Denn auch das zweite große Argument für einen Adblocker, die Deaktivierung des Nutzertrackings durch Google, kann im Zusammenhang mit dem neuen Bezahl-Service nicht genannt werden.

Damit das System des Contributors funktioniert, muss Google weiterhin das Verhalten des Nutzers tracken und aufzeichnen.

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NUR ADSENSE ANZEIGEN WERDEN ABGESCHALTET

Weiterhin sollte bedacht werden, dass das frische Produkt lediglich Adsense Anzeigen filtert. Die Reklame von Direktvermarktern oder anderen Anbietern ist dabei nicht involviert, sodass ein Großteil der Online-Werbung noch angezeigt wird.

Für Webseiten, die sich hauptsächlich durch Adsense in der Bannerwerbung finanzieren und auf keine anderen Display-Anbieter setzen, ist der Dienst aber genau richtig. Google will damit gegen schwächelnde Bannerwerbeplätze ankämpfen und seine strategische Position auf dem Markt wahren. So könnten einige Portale dank Contributor vielleicht auf zahlungswillige Leser stoßen und den Nutzern eine werbefreie Webseite anbieten, gleichzeitig aber nicht auf Einnahmen verzichten. Das soll ja auch der Kernpunkt von dem Dienst sein – wenn das Konzept aufgeht.